Die Region Mostviertel als größtes Viertel Niederösterreichs erstreckt sich in Ost-West-Achse von der Enns bis zum Wienerwald und reicht von der Donau im Norden bis zur Landesgrenze im Süden. Dementsprechend finden sich hier auch vielfältigste Landschaftsstrukturen, die von der Donau-Au über sanfte Hügel mit Obstbäumen bis hin zum alpinen Ötscherland reichen. Als Kernland des heutigen Mostviertes kann aber der milde, hügelige Teil des Alpenvorlandes bezeichnet werden.

Dieses mostviertler Alpenvorland südlich der Donau ist als uraltes, fruchtbares Kulturland schon über Jahrtausende besiedelt und deshalb reich an Geschichte.
Ganz besondere Bedeutung hat dieser Landstrich für den Namen „Österreich“. In der sogenannten „Ostarrichi-Urkunde“ von Neuhofen an der Ybbs aus dem Jahr 996 wurde der Name „Ostarrichi“ (Österreich) erstmals urkundlich erwähnt. Tatsächlich ist der Landstrich zwischen der Enns und dem Wienerwald vor mehr als 1000 Jahren mit „Ostarrichi“ benannt worden, weshalb das heutige Mostviertel mit Recht als „Ursprungsregion Österreichs“ bezeichnet werden kann.

Später, unter Kaiserin Maria Theresia und ihrem Sohn Josef II., wurde dieses fruchtbare Gebiet zum Streuobstviertel Österreichs. Denn diesen Herrschern ist es zu verdanken, dass hier entlang von Straßen, Wegen und Grenzlinien hunderttausende Streuobstbäume ausgepflanzt wurden. Aus jener Zeit stammen auch viele stattliche Mostbauernhöfe, Kellerstöckl und Dörrhäuser, die fortan das Erscheinungsbild dieses Landstriches mitprägten und weshalb das Land zu Zeiten der Habsburger-Monarchie zum „Mostviertel“ wurde.

Heute, nach mehreren Rodungsperioden im letzten Jahrhundert, ist der Bestand an Mostobstbäumen zwar dezimiert, aber immer noch landschaftsprägend. Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Streuobstlandschaft wird wieder mehr geschätzt. Denn gerade in der Zeit der Globalisierung werden die alten Obstsorten der Streuobstwiesen zu einzigartigen Besonderheiten. Und im Mostviertel sind es speziell die Mostbirnen, die auf den Flysch-Molasse-Böden besonders gut gedeihen und die es hier noch in über 150 Sorten gibt.
Ganz besonders typisch sind hier die alten „Kletzenbirn-Sorten“ wie die Rotpichlbirne oder die Schmotzbirne.

Neben der landwirtschaftlichen Bedeutung genießt das Mostviertel mit der „Moststraße“ als touristischem Angebot immer mehr Bedeutung als Ausflugsgebiet. Besonders im Frühjahr, wenn das Land mit blühenden Bäumen übersät ist, kommt die Einzigartigkeit dieser Gegend zum Tragen und lädt ein zum Betrachten und Genießen.